45. Internationale Ökumenische Konferenz der Hebräischlehrenden (IÖKH)

Universität und Augustinerkloster Erfurt, 8.–10. Mai 2015

Die 45. IÖKH fand in diesem Jahr mit Erfurt zum ersten Mal in Thüringen statt. Die Konferenz, an der sich trotz Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn mehr als 40 Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland und der Schweiz teilnahmen, stand unter dem Thema „Hebräische Schrift zwischen Juden- und Christentum in Mittelalter und früher Neuzeit“. Anknüpfungspunkt für diese Thematik bildete das mittelalterliche jüdische Erbe der Stadt Erfurt, das erst im vergangenen Jahr in die deutsche Vorschlagsliste für das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde. Zu diesem Erbe gehören neben der ältesten in dieser Größe erhaltenen Synagoge Mitteleuropas und dem einzigartigen Silberschatz aus dem 14. Jahrhundert vor allem zwei umfangreiche Textcorpora: eine bedeutende Sammlung großformatiger Bibelhandschriften, die sich heute in der Staatsbibliothek zu Berlin befinden, und ein stetig wachsender Bestand von Grabsteinen vom mittelalterlichen jüdischen Friedhof der Stadt.

Dieses umfangreiche Erbe der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Erfurt wurde während einer Exkursion am Sonntagvormittag erkundet. Die thematische Einarbeitung dafür erfolgte am Vortag mit einer Reihe von Vorträgen, zu denen ausgewiesene Spezialisten eingeladen waren. Dabei wurde nicht nur der hebräische Schriftgebrauch in den jüdischen Gemeinden, sondern auch die Übernahme hebräischer Sprache und Schrift in der zeitgenössischen christlichen Kunst und Gelehrsamkeit analysiert. Vorträge zu zentralen Arbeitsmitteln hebraistischer Forschung und Lehre (Gesenius18, BHQ) rundeten das Programm ab (zum Programm: http://www.theologie.uni-jena.de/Fakult%C3%A4t/Fachgebiete/Alte+Sprachen/Archiv/45_+I%C3%96KH-p-1525.html).

Die Tagung wurde in Kooperation der beiden Theologischen Fakultäten der Universität Erfurt und der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit der Stadt Erfurt ausgerichtet. Die Universitäten Jena und Erfurt unterhalten seit vier Jahren eine gemeinsame Lektorenstelle für Hebräisch und semitische Sprachen, die es den beiden konfessionsverschiedenen Fakultäten ermöglicht, ihre Sprachausbildung langfristig abzusichern. Angehörige der Kath.-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt bestreiten zudem seit einigen Jahren mit Vertretern der Stadt Erfurt gemeinsame Lehrveranstaltungen zur jüdischen Geschichte und Kultur – einschließlich Exkursionen zu den historischen Stätten.

Die Erfurter Konferenz wurde durch finanzielle Zuschüsse der Universität Erfurt, des Bistums Erfurt und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland ermöglicht, wofür die Veranstalter herzlich danken.

Die 46. IÖKH wird vom 20. bis 22. Mai 2016 in Marburg stattfinden.

Jena, den  15.05.2015                                                           Peter Stein

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